Gastbeitrag: SEO und weltweites Internet-Marketing

Das Internet stellt eine wunderbare Plattform zum weltweiten Vermarkten von Waren, Dienstleistungen und Informationen dar. Mit der modernen globalen Logistik und dem internationalen Bankwesen zusammen schafft das Netz geschäftliche Möglichkeiten, von den man noch vor wenigen Jahrzehnten kaum zu träumen gewagt hätte. Viele moderne Dinge und Dienstleistungen lassen sich sogar über das Netz ausliefern bzw. durchführen: Software und eBooks kann man zum Download bereitstellen, Seminare in Bild und Ton online halten und im Kundenauftrag erstellte Konstruktionszeichnungen, Grafiken oder Texte per eMail versenden.

Egal, ob man nun eine Informationsplattform, einen Online-Versandhandel, ein Grafikstudio oder ein Konstruktionsbüro betreibt – das Netz und seine Möglichkeiten legen es auch kleinen Unternehmen nahe, international tätig zu werden, als Global Player zu agieren. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass man im Netz weltweit für potentielle Kunden zu finden – und vor allem auch zu verstehen ist; man muss mit seinen Netzaktivitäten auch Menschen erreichen, die andere Muttersprachen haben als man selbst.

Im wesentlichen sind es vier Punkte, die man beim internationalen Web-Marketing berĂĽcksichtigen muss:

  • Landessprache
  • Lokal verwendete Suchmaschinen
  • Top Level Domain
  • Lokal beliebte Social Media

GenĂĽgen Englisch und Google?

Das nächstliegende wäre nun, seine Website außer in der eigene Sprache, auch auf Englisch zu launchen. Schon vor der Jahrtausendwende wurde diese Sprache ja als „Latein“ des 20. Jahrhunderts bezeichnet und in der Schule wurde uns das Pauken dieser Sprache mit dem Argument schmackhaft gemacht, dass man damit „auf der ganzen Welt durchkommt“. Tatsächlich ist eine englische Version der eigenen Website bereits ein erster Schritt.

Allerdings reicht das noch lange nicht aus, wenn man richtig ins internationale Geschäft einsteigen möchte: Immerhin etwa die Hälfte aller Websites auf dieser Welt ist zwar auf Englisch – aber das bedeutet eben auch, dass die andere Hälfte in anderen Sprachen gehalten ist. Nur etwa ein Viertel aller Suchanfragen, die an Google gerichtet werden sind auf Englisch, drei Viertel demnach in anderen Sprachen.

Ăśberhaupt hat Google zwar hier in Europa einen gewaltigen Marktanteil, so dass sich SEO in Europa vor allem an dieser Suchmaschine orientiert. Das ist aber nicht ĂĽberall auf der Welt so:

Google-Marktanteile nach Ländern (Auswahl, Stand 2009)
Deutschland 80%
Portugal 94%
USA 53%
Russland 32%
Indien 80%
China 19%
Korea 5%

Man sieht also deutlich, dass ein gutes Google-Ranking durchaus nicht überall das Maß aller SEO-Dinge ist. Interessant auch, dass die Suchmaschine ausgerechnet in ihrem Heimatland USA nur gut die Hälfte des Marktes beherrscht.

Was Englisch als angeblich dominierende Sprache des Internets angeht, sollte man sich folgendes überlegen: Ein Spanier wird am liebsten Websites besuchen, die ihm ihre Informationen auf Spanisch liefern, ein Norweger wird norwegisch geschrieben Websites bevorzugen – so wie wir selbst unsere Informationen ja auch am liebsten auf Deutsch bekommen. Vor allem, wenn man etwas kaufen soll, ist man sich in seiner Muttersprache am ehesten sicher, nicht nur die Produktbeschreibungen, sondern auch Geschäfts- und Lieferbedingungen wirklich zu verstehen.

Wer also mit seinem Angebot im Web wirklich ein Global Player werden möchte, wird nicht umhinkommen, sich den Ländern einzeln zu widmen. Gute Texte, die von Leuten erstellt werden, die sich mit Sprache und Land auskennen und Optimierung für die lokal bevorzugte Suchmaschine,   sind hier der Schlüssel zum Erfolg.

Die Rolle der Länderkennung oder Top Level Domain (TLD)

Es gibt nun aber eine ganze Reihe von Sprachen, die in mehreren Ländern gesprochen werden. Daher stellt sich die Frage, ob man mit einer Website in einer bestimmten Sprache alle Länder erreicht, in denen diese Sprache gesprochen wird? Das ist leider nur bedingt der Fall, wie ein einfaches Experiment zeigt: Wenn man den gleichen (deutschen) Suchbegriff bei google.de, google.at und google.ch eingibt, wird man festellen, dass die Ergebnislisten erheblich voneinander abweichen.

Zwar wird in vielen Fällen der (sofern vorhanden) Wikipedia-Artikel zum jeweiligen Begriff alle drei Listen anführen, ansonsten wird es jedoch erhebliche Unterschiede geben. Was dabei vor allem auffällt: Es werden ganz klar Seiten bevorzugt, welche die gleiche Länderkennung wie aufgerufene Google-Version haben.

Lokale Besonderheiten

Wenn man es ganz gut machen will, muss man also nicht nur für jede Zielsprache, sondern für jedes Zielland eine spezielle Website einrichten. Dabei hat man dann auch die Möglichkeit, die jeweiligen lokalen Besonderheiten der Sprache zu berücksichtigen wie z. B. beim britischen und amerikanischen Englisch. Ebenfalls berücksichtigen sollte man kulturelle Besonderheiten, was am besten gelingt, wenn man einen Muttersprachler und Kenner des jeweilige Landes mit der Texterstellung beauftragt. Dieser sollte mit der aktuellen Situation im Land vertraut sein und lokale Modeströmungen, Trends und dergleichen kennen.

Wer seine Website mit Hilfe von Social Media promotet, sollte auch berĂĽcksichtigen, dass Facebook und Twitter nicht ĂĽberall das MaĂź aller Dinge sind. Man sollte fĂĽr die Promotion immer die im jeweiligen Land angesagten Social Media benutzen.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.

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