Warum ein digitales Mindset den Erfolg ausmacht

Wie schafft ein Unternehmen den erfolgreichen Sprung ins digitale Zeitalter? Es gibt mehrere Überlegungen dafür. Neue Strukturen, andere Hierachien, neue Fähigkeiten. Doch um all das zu transformieren, müssen wir vorn beginnen, mit dem Mindset.
Veröffentlicht am
21. Oktober 2020
Lesezeit
6 minuten

Das digitale Zeitalter ist keine Zukunft mehr, sondern längst Gegenwart. Es trifft uns in allen Bereichen, ob beruflich oder privat. Den Übergang des bisherigen industriellen Zeitalters ins digitale Zeitalter zu schaffen (umgangssprachlich nennen wir das mittlerweile „Digitale Transformation“) ist jeddoch, gerade für Unternehmen, die schon seit Jahrzehnten am Markt sind und langbewährte, feste Unternehmensstrukturen haben, nicht ganz einfach.

Wie schafft ein Unternehmen den erfolgreichen Sprung ins digitale Zeitalter?

Es gibt mehrere Kriterien dafür. Darunter fallen neue Strukturen, andere Hierachiemodelle, neuste Technologien und Fähigkeiten. Doch um all das zu transformieren, müssen wir vorn beginnen, mit dem Mindset.

Was ist ein Mindset?

Ein Mindset ist eine Denkweise, eine Reihe von Überzeugungen und daraus resultierende Einstellungen, die zum Einen unsere Interpretation von Situationen, denen wir begegnen, und zum Anderen unsere Reaktion auf diese Situationen bestimmen. Die Überzeugungen, die unsere Denkweise prägen, sind tief verwurzelte, auf unserem Wissen, unseren Erfahrungen, unserer Umwelt und unserer Kultur beruhende Glaubenspositionen. Unsere Überzeugungen schaffen eine Haltung in Bezug auf unsere Bereitschaft und Fähigkeit, auf jede Situation einzugehen, auf die wir stoßen, und beeinflussen stark, ob, wie und wie gut wir handeln werden.

Ein Mindset setzt sich aus vier Merkmalen zusammen:

  1. Dem Rahmen für Interpretation und Reaktion auf Situationen, denen wir begegnen.
  2. Wir richten unsere Denkweise an dem aus, was um uns herum geschieht. Wenn um uns herum Änderungen passieren und wir unsere Denkweise daran nicht anpassen, kann es passieren, dass wir Situationen nicht richtig interpretieren und ergreifen möglicherweise unangemessene Maßnahmen.
  3. Unsere Denkweise beeinflusst stark, wie wir auf Situationen reagieren, einschließlich der Fähigkeiten, die wir anwenden und die Tools, die wir auswählen, um unsere Arbeit auszuführen und zu messen.
  4. Wenn wir erfolgreich sind, stärkt dies unsere Denkweise und macht uns weniger offen dafür, auf Änderungen in unserer Umgebung zu achten, die jedoch eine andere Denkweise erfordern. Deshalb birgt Erfolg in Zeiten schnellen Wandels die Möglichkeit des Scheiterns. Es sei denn, wir suchen ständig nach den schwachen Signalen dieses Wandels und passen unsere Denkweise an die neue Situation an.

Beispiele für Erfolg und Misserfolg

1.) Blockbuster vs. Netflix
In den 90er und 2000er Jahren gehörte Blockbuster zu den top Anbietern im Bereich Filmverleih. Wir konnten uns entweder im Store Filme ausleihen und mit nach Hause nehmen oder diese online auswählen und sie uns dann per Post senden lassen. Jeder Verleih war zeitlich limitiert, was bedeutete, dass wir bereits ab dem 1. Tag der Verspätung einen nicht unwesentlich hohen Zuschlag zahlen mussten, welcher von Tag zu Tag höher wurde. Diese Gebühren machten bei Blockbuster 16% ihres Jahresumsatzes aus. Die Kunden waren verärgert, als das öffentlich wurde. Blockbuster hatte jedoch nur ein simples Transaktionsmodell für die Geschäftsabwicklung und verfolgte weder die Kundenzufriedenheit noch lokale Kundenprobleme. Die Geschäftsleitung konzentrierte sich eher auf das Wachstum ihres stationären Geschäfts. Erst als Kunden Blockbuster wegen der Gebühren verklagten, versuchten sie ernsthaft, eine bessere Lösung zu entwickeln.

Diese Probleme öffneten Netflix die Tür im Markt, die damals noch ein kleiner Anbieter von DVD-Verleih per Post waren. Doch Netflix reagierte auf die Wut der Blockbuster-Kunden über die Verspätungszuschläge von Blockbuster und entwickelte ein neues Geschäftsmodell. Sie führten eine monatliche Flatrate ein, bei dem die Kunden eine feste Anzahl von DVDs per Post erhielten und keine Gebühren für verspätete Retouren berechnet wurden. Obwohl Blockbuster-Kunden zu Netflix strömten, reagierte Blockbuster nicht, da sie Netflix als Nischenanbieter betrachteten, der ihrer Meinung nach keine Bedrohung für ihr Kerngeschäft darstellte.

Weiteres Problem bei Blockbuster:
DVDs wurden irgendwann nicht mehr zeitgemäß, Blockbuster sah das Aufkommen von Streaming-Videos nicht als maßgebliche Veränderung an, die eine Bedrohung für ihr Businessmodell darstellte. Sie glaubten, es wäre sinnvoller bei den DVDs zu bleiben und in ihren Stores tragbare Geräte zu verleihen, die Kunden sich ausleihen können, um darauf Filme zu streamen.

Sie hielten also weiter an ihrem Mindset fest, dass DVDs und ihr Angebot in ihren Store das Geschäftsmodell sind und die Wünsche der Kunden wiederspiegeln. Sie investieren weiter darin und anstatt ihre Kunden mit einzubeziehen, um zu erkennen, was sich diese wirklich wünschen, sowie sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten ernsthafter auseinander zu setzen, verpassten sie sie.

Netflix jedoch erkannte die Power des Internets als virtuelle Streamingplattform und traf damit den Nerv der Zeit. Die Flatrate als Zahlungsmodell haben sie bis heute beibehalten.
Blockbuster meldete 2010 Insolvenz an.

2.) Quelle vs. Amazon
Quelle ist ein Versandhandel gewesen, der von 1921 bis 2009 existierte. Kunden konnten sich von Kleidung über Elektrogeräte bis hin zu Möbeln Artikel im Quellekatalog aussuchen, der quartalsweise erschien und per Post versandt wurde, und diese dann per Telefon oder Post bei Quelle bestellen.

Amazon erkannte jedoch, dass sich das Einzelhandelsumfeld dramatisch verändert hatte und änderte daraufhin sein Mindset, um ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln, das durch digitale Tools und Technologien unterstützt wird. Der Grund für das Handeln, basierend auf der Denkweise des digitalen Zeitalters und dem neuen Geschäftsmodell, führt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Quelle hielt an ihrem Katalog-Versandhandel fest. Sie beantragten in ihren finanziellen Schwierigkeiten sogar nochmal einen großen Kredit, um den neuen Katalog zu produzieren. Doch das ging komplett nach hinten los und ihr altes Mindset sowie ihr Inside-Out-Ansatz brachen ihnen am Ende das Genick (Link).

Amazon hingegen nutze diverse Technologien und investierte darin, sei es für den Aufbau der Online-Plattform, Lagerung der Produkte, über ihre Kunden zu lernen und deren Shoppingerlebnis auf ihrer Plattform zu verbessern. Ihre Plattform wird von Datenanalysen unterstützt und ermöglicht es Amazon, innovative Lösungen für einen Mehrwert zwischen Kunde und sich zu entwickeln. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sie das Online-Einkaufserlebnis verbessert und das Vertrauen und die Loyalität ihrer Kunden durch unterschiedlichste Leistungsangebote (z. B. schnelle Lieferung) gewonnen. Dieser Outside-In-Ansatz verschaffte Amazon einen riesen Vorteil am Markt und im Wettbewerb, mittlerweile haben sie einen Anteil von 53% im Online-Retail Segment (Link).

Kompenenten vereinen

Das Mindset ist umgeben von verschiedenen Komponenten, die den Rahmen bilden:

Es ist ein Zusammenspiel dieser Bereiche, das es einem Unternehmen ermöglicht, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fazit:

Das Mindset eines Unternehmens ist entscheidend, wie es Markt agiert. Ein Shift des Mindsets kann entscheidend dafür sein, ob ein Unternehmen bei nicht aufhaltbaren Veränderungen und wachsender technologischer Möglichkeiten mitziehen kann oder untergeht.

Grafikquelle: ©PerformanceEdge, Bildquelle: istock.com/disobeyart

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