Orchestrator eines Ökosystems

Das digitale Zeitalter hat vieles verändert. Unternehmen, die es seit vielen Jahrzehnten oder gar seit mehr als 100 Jahren gibt, die mit Ihrer Struktur und Linie erfolgreich im letzten, industriellen, Zeitalter waren, müssen umdenken.
Veröffentlicht am
12. Oktober 2020
Lesezeit
5 minuten

Das digitale Zeitalter hat vieles verändert. Unternehmen, die es seit vielen Jahrzehnten oder gar seit mehr als 100 Jahren gibt, die mit Ihrer Struktur und Linie erfolgreich im letzten, industriellen, Zeitalter waren, müssen umdenken. Es sind neue Player am Markt, die es vor 30 oder 50 Jahren noch nicht gab. Die großen Digitalunternehmen haben den Markt in vielen Segmenten umgekrempelt. Sei es Apple im Mobiltelefonsegment, Amazon in Retail, Alphabet wozu Google gehört, Tesla im Automotivesektor, Facebook in Social Media, Air BnB für Unterkünfte, Uber im Straßenverkehr…

Um als Unternehmen, das im industriellen Zeitalter erfolgreich war oder auch zu den führenden Unternehmen gehört haben, müssen umdenken, müssen digital gehen, müssen ihren Speed erhöhen und flexibel sein. Denn digitalen Player, wie o. g. Firmen, stören diverse Branchen mit ihrem Angebot und ihrer Fähigkeit ihr Business Model sehr schnell an neue Gegebenheiten anzupassen. Das ist etwas, dass sie den industriellen Giganten voraus haben. Digitale Technologien helfen diesen jungen Unternehmen, zu starken und einflussreichen globalen Brands zu werden.

Der Einfluss digitaler Technologien und Angebote wird immer stärker. Wer hier nicht mitziehen kann, verschwindet irgendwann.

Vorteile hat ein Unternehmen bei der Implementierung neuer digitaler Technologien in seine DNA aber nur, wenn es seine Organisationsarchitektur ändert.
Doch einfach nur alte Strukturen mit neuer Technologie zu verbinden, funktioniert nicht. Digitalisierung oder digitale Transformation bedeutet, eine neue Infrastruktur zu schaffen in der leistungsstarkes Computing, durchgehend und überall vorhandene Konnektivität sowie eine starke und zuverlässige Cloud einbezogen und Standard werden. Es müssen außerdem Strukturen, Prozesse, Entscheidungsbefugnisse und ein neues Setup von Kollaborationen geschaffen werden.

Ökosysteme bilden

Ein Ökosystem im digitalen Zeitalter ist ein Netzwerk von Unternehmen, die miteinander kooperieren. Die Partner können unterschiedliche Geschäftsmodelle haben oder auch Mitbewerber sein.

Beispiel mit unterschiedlichen Business Models:
Alphabet bietet das Google-Handy an. Sie arbeiten hier in einem Ökosystem u. a. mit Samsung, die das Display herstellen.

Samsung ist wiederum auch in einem Ökosystem mit Apple, denn auch für das iPhone stellen sie das Display mit her.

Beispiel gleiche Business Modelle:
Netflix nutzt für das Hosting seines Streamingangebots die Cloud von Amazon. Amazon bietet ebenfalls Streaming an. Sie sind also Mitbewerber, arbeiten im Bereich Cloud jedoch zusammen.

Apple bietet auf dem iPhone nicht nur die eigene Karten-App an, sondern auch Google Maps.

Um sich in einem Bereich zu etablieren gibt es die Möglichkeit neue Ökosysteme zu schaffen und zu leiten oder an ihnen zu partizipieren = Orchestrator (Leader) oder Partner zu sein. Ich nehme mich in diesem Artikel des Orchestrators an. Dieser ist ein Unternehmen, welches ein Ökosystem aufbaut, leitet und managed. In den o. a. Beispielen sind das Amazon und Apple.

Wie schafft man ein eigenes Ökosystem und wird zum Leader dessen?

Der Leader orchestriert das Ökosystem. Dabei geht es darum, andere Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Stärken in verschiedenen Branchen zusammenzuführen und über traditionelle Branchengrenzen hinweg miteinander zu verbinden, um ein System von Netzwerkeffekten zu schaffen. Hier kann einer der Partner auch ein Mitbewerber sein (s. o.).

Um hier als Orchestrator erfolgreich zu sein, braucht es verschiedene Charakteristika:

1.) Eine Vision
Der Orchestrator formuliert eine überzeugende Vision zur Lösung wichtiger Probleme, sei es im direkten Kundenkontakt oder auch in Bezug auf die Gesellschaft. Die Vision muss überzeugend sein, um andere Unternehmen zu überzeugen teilzunehmen. Sie sollte außerdem scharfsinnig und differenziert sein, damit die wichtigsten Teilnehmer dies nicht selbst orchestrieren wollen.

2.) Unterscheidungskraft
Der Orchestrator ist in der Lage die Vision zielführend, direkt, aber auch kritisch hinterfragend zu verfolgen. Diese Fähigkeit wird nicht nur von Kunden geschätzt, da sie ihnen Weiterentwicklung und bestmögliche Lösungen bietet, sondern ist auch wichtig für die Partner in dem Ökosystem, um dem Orchestrator zu vertrauen und an die Vision zu glauben. Damit dies erfolgreich funktioniert, braucht es einen starken Leader, der weder vom Weg abkommt, noch in Illusionen abtaucht, sondern seine Vision stets kritisch hinterfragt und ggf. adaptiert.

3.) Komplementarität
Der Orchestrator bezieht Partner ein, die den Wert des Ökosystems steigern. Das Ökosystem wächst durch einen positiven Zyklus, bei dem es zum Einen durch die Kunden akzeptiert wird (z. B. Buchung einer Reservierung im gewünschten Restaurant nur durch OpenTable möglich), und zum Andren durch den gegenseitigen Support der Partner. Je vielfältiger die ergänzenden Partner sind, desto lebendiger und nützlicher ist das Ökosystem. Es gewinnt an Leistung und Bedeutung durch die Netzwerkeffekte, die es schafft.

4.) Respekt
Die Fähigkeit erfolgreich orchestrieren zu können, hängt auch von dem Respekt ab, den die Partner in Zeiten von Unsicherheit und des technologischen Wandels für das Ökosystem zeigen. Ein Orchestrator schafft sich mehr Respekt durch die Fähigkeit zu Kooperieren (auch mit Mitbewerben) als die Partner innerhalb des Ökosystem forciern zu wollen.

5.) Führungskompetenz6.) Dynamik
Der Orchestrator passt die Vision proaktiv an und verbindet sich dazu, falls notwendig, mit anderen Ökosystemen. Die Teilnehmer eines Ökosystems erwarten, dass der Orchestrator mit der Richtung und dem Speed des Wandels mithält und ihnen hilft. Sollte der Orchestrator nicht mit der Geschwindigkeit an Veränderungen mithalten können, ist die Gefahr groß, die Unterstützung der Partner oder auch die Partner selbst aus dem Ökosystem zu verlieren.

Ökosysteme analysieren und eigene Rolle festlegen

Ökosysteme im digitalen Zeitalter zu verstehen und zu prüfen, ob Sie als Partner daran teilnehmen oder sich für die Orchestrierung positionieren möchten, ist ein wichtige Erkenntnis. Denn dann wissen Sie, wo Sie Ihre Energie investieren möchten und wie Sie Ihre Ressourcen in relevanten Ökosystemen optimal nutzen können. Diese Analyse ermöglich Ihnen zudem klar zu identifizieren, wer Ihre Mitbewerber sind und wer Ihre potentiellen Verbündeten.

Es ist immer eine gute Strategie als Unternehmen beides zu sein und in mehreren Ökosystemen teilzunehmen. Sowohl als Orchestrator als auch als Partner. Ein Unternehmen muss sich vorher nur genau überlegen welche Rolle es in welchen Ökosystem einnehmen will.

Artikel Tags

Ähnliche Tags

My Blog

Ähnliche Artikel

Kommentar hinterlassen

Ihre E-mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fiels are marked *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.